COPD COACHING

Was ist COPD? Die Abkürzung COPD steht für den englischen Begriff „chronic obstructive pulmonary disease“ (Frei übersetzt: „Chronische Lungenkrankheit mit verengten Atemwegen“) und ist eine Krankheit, bei der sich die Atemwege entzünden und anhaltend verengen. Typische Symptome sind Husten, Atemnot und Auswurf, die das Leben nicht nur in höherem Alter erschweren.

Keine Frage – COPD ist eine Erkrankung, die schnell zu einem Teufelskreis aus Einsamkeit, Angst und Depression führen kann. COPD ist immer und überall dabei. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Beim Treppensteigen, beim Spaziergang und beim Einkaufen. Sie nimmt dir den Atem, nervt und lässt dich (fast) verzweifeln. Sich an sie zu gewöhnen, fällt schwer.

Wie sich eine COPD auswirkt, hängt sehr vom Stadium der Krankheit ab. Eine COPD kann jahrelang nur mit kleineren Einschränkungen verbunden sein. Mit der Zeit können die Beschwerden aber zunehmen. Eine sogenannte Exazerbation kann plötzlich, manchmal aber auch eher schleichend auftreten und unterschiedlich stark sein. Bei einer schweren COPD ist schließlich kein normaler Alltag mehr möglich. Dann wird meist eine umfassende Unterstützung und Pflege durch andere nötig.

Die gute Nachricht: Auch wenn diese Lungenerkrankung (noch) nicht heilbar ist, besteht noch lange kein Grund zur Panik. Denn es gibt einiges, was Betroffene tun können, um den Krankheitsverlauf und das persönliche Wohlbefinden positiv zu beeinflussen. Es bedarf es nur der richtigen Einstellung sowie Umstellungen und Maßnahmen, um mit sich selbst und der ständigen Begleiterin in Frieden leben zu lernen.

Was können wir selbst tun? Wie gut es uns geht, hängt entscheidend von uns selbst ab. Dabei können uns einfache Übungen und Mittel helfen, das Alltagsleben zu erleichtern – besonders dann, wenn schon Alltagstätigkeiten wie Treppensteigen, Gartenarbeit oder ein Spaziergang ausreichen können, um außer Atem zu geraten.

Vielen Betroffenen hilft es, ihren Lebensstil und Tagesablauf an die Bedürfnisse und Reaktionen ihres Körpers anzupassen. Manche konzentrieren sich mehr auf die Dinge, die ihnen besonders wichtig sind. Andere wenden bestimmte Atem- und Entspannungstechniken an, gönnen sich Ruhe oder treiben je nach Tagesform ein wenig Sport. Neben Atemübungen, regelmäßiger körperlicher Aktivität und einer gesunden Ernährung ist eine zeitnahe Raucherentwöhnug eine vitale Maßnahme, sowohl das körperliche als auch das seelische Befinden erheblich zu verbessern

Ob frisch diagnostiziert oder bereits länger betroffen – hier findest du einige Empfehlungen und praktische Tipps, die auch dir helfen können, die COPD-Symptome zu reduzieren und damit deine Lebensqualität zu steigern. Auf geht’s!

Tipp 1: Atmen üben

Bei einer Atemwegserkrankung wie COPD können spezielle Techniken wie die Lippenbremse und einfache tägliche Atemübungen die Lungenfunktion verbessern, die Bronchialmuskulatur stärken und so das Atmen wesentlich erleichtern. Je mehr das bewusste Atmen zur Gewohnheit wird, desto leichter wird es.

Tipp 2: In Bewegung bleiben

Im Grunde genommen sind viele Menschen mit COPD körperlich zu inaktiv. Dieser Mangel an Bewegung vermindert die Ausdauer und verringert die Muskelkraft. Hingegen wirkt sich leichte sportliche Bewegung gerade bei COPD günstig aus. Bereits moderate Bewegung von 15 bis 30 Minuten täglich kann die Lunge stärken und den Krankheitsverlauf von COPD positiv beeinflussen.

EXTRA-TIPP: Auch Tanzen ist eine gute Übung – vor allem für alle Bewegungsmuffel, die den klassischen Sportangeboten nicht viel abgewinnen können. Bevor du jedoch mit dem Tanzen, Laufen oder einer neuen Sportart beginnst, sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin. Und wenn du das Passende gefunden hast, bleibe am Ball!

Tipp 3: Mentale Gesundheit stärken

COPD ist mehr als „nur“ eine Lungenerkrankung. Sie betrifft Körper und Geist – und stellt Betroffene nicht nur physisch, sondern auch psychisch vor Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, die eigene physische Gesundheit aktiv zu stärken. Denn sie spielt eine zentrale Rolle im Umgang mit der Krankheit und im Erhalt der seelischen Stabilität

Tipp 4: Gesund ernähren

Die richtige Ernährung versorgt den Körper mit wichtigen Nährstoffen und reichlich Energie – und auch das hilft, die Atmung zu erleichtern. Grundsätzlich kann eine fettarme, eiweißhaltige und nährstoffreiche Ernährung empfohlen werden. Als Faustregel gilt: Mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag.

Tipp 5: Nichtraucher werden

Qualmen macht krank. Schadstoffe aus dem Tabakrauch reizen die Schleimhäute der Bronchien und sie entzünden sich. In der Folge bildet die Schleimhaut mehr Schleim, um Schadstoffe von der Lunge fernzuhalten. Auch die feinen Lungenbläschen reagieren und die Bronchien verengen sich. Husten und Atemnot sind die Folge.

Die beste – aber für passionierte Raucher auch die schwierigste – Maßnahme, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern: Nichtraucher werden. Das Rauchen einstellen, wirkt sich vielfach positiv aus: Husten, Luftnot und Verschleimung bessern sich, Infekte der Atemwege kommen seltener vor. Die Erkrankung schreitet nicht mehr oder nur noch sehr langsam voran. Auch das Herz-Kreislauf-System profitiert, denn die Durchblutung verbessert sich innerhalb weniger Wochen nach der letzten Zigarette. Und damit sinkt auch erheblich das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Ein schöner Nebeneffekt: Schon wenige Tage nach einem Rauchstopp verbessern sich Geruchs- und Geschmackssinn – das Essen schmeckt wieder so richtig.

Tipp 6: An einem DM Programm teilnehmen

Selbstbestimmt leben und die Lebensqualität verbessern – das ist erklärtes Ziel eines sogenannten Disease Management Programm (DMP), an dem jeder COPD-Betroffene freiwillig und kostenfrei teilnehmen kann. Interesse daran? Dann sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin oder frag bei deiner Krankenkasse*** nach!

***zum Beispiel „TK-Plus bei COPD“ bei der Techniker, das „Besser-Leben-Programm“ bei der BARMER oder der Curaplan COPDbei der AOK.

Tipp 7: Vor Auslösern schützen

Jede zusätzliche Erkrankung belastet die Lunge. Schütze dich sich, so gut du kannst! Die jährliche Grippeimpfung sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Meide auch in Zeiten anderer viraler Infekte Menschenansammlungen und wasche häufig die Hände. So senkst du ganz einfach das Risiko, stärker krank zu werden.

Vom Aufstehen bis zum Zubettgehen – ganz normale Aufgaben können mit COPD tagtäglich schnell zu einer Herausforderung werden. Gut zu wissen, dass es neben Medikamenten jede Menge lungenstärkende Techniken und Übungen gibt, viele der anstehenden Tätigkeiten lungenschonend zu gestalten und somit den Alltag zu erleichtern.

  • Medikamte einnehmen: Inhaliere dein COPD-Medikament zur Dauertherapie (falls nötig) schon 10 bis 20 Minuten vor dem Aufstehen! So bereitest du deine Bronchien gut auf den Tag vor. Nimm deine Medikamente im Liegen ein und warte, wenn nötig, bis die Wirkung eintritt.
  • Gut aus dem Bett kommen: Morgens langsam aufstehen bedeutet, den Tag entspannt beginnen zu lassen. Lass es also langsam angehen! Dehne und strecke dich zuerst im Bett, bevor du dich aufsetzt. Lass dir dafür ausreichend Zeit. Fällt die Bewegung morgens besonders schwer, dann mach einfach nach jeder Teilbewegung eine Pause. Lippenbremse und bewusstes Atmen helfen dabei, nicht in Atemnot zu geraten.
  • Gut in den Tag starten: Am Morgen stellst du die Weichen für den Tag. Wenn du deine Kleidung schon am Vorabend zurechtlegst, kannst du am Morgen entspannt hineinschlüpfen und darauf achten, dass sie bequem sitzt und Brustkorb, Bauch oder Unterleib nicht einschnürt. . Ein langer Schuhlöffel erleichtert das Anziehen der Schuhe. Ein Hocker im Badezimmer kann eine Erleichterung bei der Morgentoilette sein. Und wenn du genügend Zeit für dein Frühstück einplanst, kann dein Tag ohne Hektik und Stress beginnen.
  • Auf deinen Körper hören: Jeder Tag ist anders. An manchen Tagen wirst du mehr Energie haben als an anderen. Akzeptiere deine Tagesform und passe deine Aktivität entsprechend an, ohne dich unter Druck zu setzen!
  • Für eine gute Nacht sorgen:. Stelle beim Schlafengehen sicher, dass du alles hast, was du für eine ruhige und entspannte Nacht brauchst. Wähle die nächtliche Schlafposition, in der dir das Atmen am leichtesten fällt!
  • Durch die Nase einatmen:
    Die Nase filtert, erwärmt und befeuchtet die Luft, bevor sie deine Lunge erreicht. Das verbessert den Sauerstoffgehalt im Blut, steigert deine Ausdauer und hilft bei der Regeneration. Übe bewusst, durch die Nase zu atmen – besonders bei Bewegung oder körperlicher Aktivität!
  • Mit Lippenbremse ausatmen:
    Die Lippenbremse lindert Atemnot.: Atme sanft durch die Nase ein und lass die Luft langsam und kontrolliert durch leicht geschlossene Lippen entweichen. Wichtig: Presse die Luft nicht heraus!
  • Auf deine Körperhaltung achten:
    Dein Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel, aber Stress und eine ungünstige Körperhaltung machen es ihm oft schwer. Sobald du merkst, dass dir die Luft knapp wird, setz dich aufrecht hin oder probiere eine atemerleichternde Haltung wie den Kutschersitz aus
  • Verspannungen lösen:
    Verspannte Schultern oder ein enger Brustbereich blockieren oft die Atmung. Bewege dich täglich! Ein Spaziergang oder eine 30-minütige Bewegungseinheit reichen oft schon aus.
  • Atem und Bewegung in Einklang bringen:
    Ob beim Gehen, Treppensteigen oder Sport: Synchronisiere Atem und Bewegung. Atme z. B. zwei Schritte ein und zwei Schritte aus. Das schont dein Herz, verbessert die Sauerstoffversorgung und hilft dir, länger durchzuhalten.
  • EXTRA-TIPP: Singen – ob alleine oder mit anderen – steigert die Lebensfreude, trägt zu einem besseren Körpergefühl bei und hilft, die Atmung besser zu kontrollieren. Alles gute Gründe, jetzt mit dem Singen anzufangen. Der Sing-Song-Tag >>>

INSTITUT FÜR PRAKTISCHE LEBENSHILFE (IFPL) BERG