Atmen heißt Leben. Doch die meisten von uns verschwenden nur selten einen Gedanken an ihre Atmung. Logo: So selbstverständlich und automatisch verrichten wir normalerweise diese lebensnotwendige Tätigkeit. Doch gerade bei Erkrankungen wie der COPD kommt dem Atmen eine besondere Bedeutung zu. Ganz gleich, ob im Alltag oder bei akuter Luftnot. Die gute Nachricht: Richtig atmen können wir lernen.

Mit der richtigen Atemtechnik können wir direkt auf unseren Körper und unsere Gesundheit Einfluss nehmen. Denn wie wir Luft holen und sie wieder aus den Lungen entweichen lassen, beeinflusst unser Gehirn und unsere Gesundheit auf vielfältige Weise. Wenn wir es bewusst machen, kann das richtige Atmen sogar zur Superkraft gegen Stress, Angst, Herz-Kreislauf-Beschwerden und viele andere Problemen werden. Hier sind fünf einfache Tipps, die dir sofort helfen besser zu atmen:

  • Bauchatmung: Mache es dir bequem und schließe die Augen. Atme bei geschlossenem Mund vorsichtig durch die Nase tief in den Bauch ein und zähle bis sechs. Atme sechs Sekunden lang ganz langsam aus, damit der Atem deinen Körper wieder sanft verlassen kann. Fahre so mindestens 3 Minuten fort. Lege dabei eine Hand auf deinen Bauch. Fühle, wie sich die Bauchdecke hebt und senkt, und beobachte, wie sich dein Körper dabei anfühlt.
  • Nasenatmung: Schließe dein rechtes Nasenloch mit dem rechten Daumen und atme durch das linke Nasenloch ein, gib das rechte Nasenloch frei und atme durch das rechte Nasenloch aus. Mache das eine Weile, wechsele dann und mache es genau umgekehrt. Wiederhole das Ganze im Wechsel ca. 5 bis 15 Minuten lang!
  • Ausatmen gegen einen Widerstand: Blase einen Luftballon oder eine Tüte auf! Dabei musst du automatisch tiefer einatmen. Erst dann lässt sich der Gegenstand aufblasen und es kommt zu einer Vertiefung der Atmung.
  • Atmen gegen Stress: In Stresssituationen neigen wir dazu, den Atem anzuhalten und flach zu atmen. Das Einatmen sollte daher, wenn möglich, durch die Nase erfolgen und der Atemrhythmus gleichmäßig sein. Atme zunächst in deinem eigenen gewohnten Rhythmus, dann bewusst und gleichmäßig tief in dich hinein – möglichst in den Bauch, weiter bis hin zu den Zehen, weiter bis in die Fingerspitzen und bis in den Haarwurzeln. Wenn du das gezielt trainierst, spürst du eine gute Durchblutung und eine wachsende Energie.
  • Lippenbremse: Diese Übung hilft bei akuter Atemnot oder bei Belastung. Atme durch die Nase ein und durch den gespitzten, nur leicht geöffneten Mund langsam und kontrolliert wieder aus. Unterstütze das Ausatme mit den Lauten „SSS „oder „PFF“. Durch diese Übung werden die Atemwege weit und die Lunge kann wieder mit sauerstoffreicher Luft versorgt werden.
  • Ausatmen gegen einen Widerstand: Blase einen Luftballon oder eine Tüte auf! Dabei musst du automatisch tiefer einatmen. Erst dann lässt sich der Gegenstand aufblasen und es kommt zu einer Vertiefung der Atmung.

Unsere Atmung ist für weitaus mehr zuständig als nur für die Versorgung mit lebenswichtigem Sauerstoff. Sie ist ein zentraler Baustein für unser körperliches und geistiges Wohlbefinden. Was können wir tun, wenn uns der Atem ausgeht oder im wahrsten Sinne des Wortes der Atem still steht?

Wenn wir „Dr. Google” fragen, dann gibt es eine Vielzahl von Einträgen zu Atemtherapie, Atemtraining oder auch „Lungentraining“. Doch die Lunge ist nicht wirklich trainierbar, weil sie selbst keine Muskulatur hat.

Ein-und Ausatmen wird von der Atemmuskulatur gesteuert – zum Beispiel vom Zwerchfell (Diaphragma), über das rund 90 % unserer Atemkraft kommt. Kraft, die die Atemmuskulatur braucht. Ebenso wie die Weite der Atemwege. Beides ist wichtig für eine bessere Lungenfunktion. Hier bieten sich verschiedene Möglichkeiten für Training und Therapie an:

  • Atemtechniken, die die Atemnot lindern, beispielsweise die Lippenbremse oder der Kutschersitz
  • Hustentechniken, die dabei helfen, effektiv abzuhusten und festsitzendes Sekret nach oben zu befördern
  • Atementspannungstechniken, die das Atembewusstsein entwickeln und Stress abbauen
  • Atemtherapiegeräte, die die Atemwege weiten und möglichst auch von Schleim befreien (durch Oszillationen, also Vibrationsschwingungen)
  • Dehnübungen, die die Beweglichkeit verbessern – insbesondere die des Brustkorbs
  • Krafttraining, das sich positiv auf die Knochendichte, Blutfettwerte und den Blutdruck im Ruhezustand auswirkt.

Tipp 1: Husten wegatmen

Halte bei Hustenreiz einfach die Luft an, schließe den Mund und presse, wenn nötig, die Lippen fest aufeinander. Versuche dem Druck und Reiz gegenzuhalten! Ist der größte Reiz überstanden, versuche schnell durch die Nase ein und auszuatmen (durch die Nase hecheln) bis sich der Hustenreiz gelegt hat und du wieder ruhig atmest. Durch eine schnelle Atmung durch den weit geöffneten Mund kannst du dann den Schleim hochatmen, mit eine „Haff“ ausatmen oder mit einmaligen Husten den Schleim herausbefördern.

Tipp 2: Mit Bremse abhusten

Husten ist Schwerstarbeit für den Körper. Durch den Einsatz der „Hustenbremse“ wird der starke Druck abgeschwächt, der beim ungebremsten Husten entsteht. Dazu aufrecht hinsetzen und erst dann husten, wenn der Schleim schon relativ weit oben in der Brust oder im Hals zu spüren ist. Und so geht´s: Forme eine Hand zur Faust und huste mit aufgeblähten Wangen in den entstehenden Tunnel zwischen Daumen und Zeigefinger. Lass dabei keine Luft seitlich entweichen!

Tipp 3: Schleim mobilisieren

Spezielle Atemübungen wie die Lippenbremse helfen, den Schleim in der Lunge zu lösen und schonend in Richtung Mund zu transportieren – ebenso wie handliche Schleimentfernungsgeräte, und praktische Atemgeräte, die den Schleim in der Lunge lockern.

Wir können durch gezieltes Training Kraft und Ausdauer der Muskeln, die bei der Einatmung helfen, erhöhen. Zudem trägt es dazu bei, unsere körperliche Belastungsgrenze zu steigern und das Durchhaltevermögen zu verbessern. Hier drei einfache Beispiele, die sich jederzeit überall durchführen lassen. Einfache Atemübungen, die wir leicht in unsere Alltag integrieren und mit denen wir plötzliche Atemnot vermeiden oder reduzieren können.

Übung 1

Lippenbremse

Tief durch die Nase einatmen. Anschließend durch die locker aufeinanderliegenden Lippen mit einem leichen „Pff“-Laut. langsam wieder ausatmen

Übung 2

Kutschersitz

Auf die vordere Kante eines Stuhls setzen und den Oberkörper weit vorbeugen. Dabei die Unterarme mit den Ellenbogen leicht auf den Oberschenkeln abstützen. Ruhig durchatmen und mit Lippenbremse ausatmen

Übung 3

Torwartstellung

Mit leicht gespreizten Beinen und gebeugten Knien hinstellen. Die Hände über den Knien auf den Oberschenkeln abstützen. Tief durchatmen und mit Lippenbremse ausatmen.

  • Nasenatmung optimieren:
    Die Nase filtert, erwärmt und befeuchtet die Luft, bevor sie deine Lunge erreicht. Das verbessert den Sauerstoffgehalt im Blut, steigert deine Ausdauer und hilft bei der Regeneration. Übe bewusst, durch die Nase zu atmen – besonders bei Bewegung oder körperlicher Aktivität.
  • Lippenbremse richtig anwenden
    Die Lippenbremse lindert Atemnot. Wichtig: Presse die Luft nicht heraus. Atme sanft durch die Nase ein und lass die Luft langsam und kontrolliert durch leicht geschlossene Lippen entweichen.
  • Auf Körperhaltung achten:
    Dein Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel, aber Stress und eine ungünstige Körperhaltung machen es ihm oft schwer. Sobald du merkst, dass dir die Luft knapp wird, setz dich aufrecht hin oder probiere eine atemerleichternde Haltung wie den Kutschersitz aus.
  • Verspannungen lösen, freier atmen:
    Verspannte Schultern oder ein enger Brustbereich blockieren oft die Atmung. Beweg dich täglich. Ein Spaziergang oder eine 30-minütige Bewegungseinheit reichen oft schon aus.
  • Atem und Bewegung in Einklang bringen:
    Ob beim Gehen, Treppensteigen oder Sport: Synchronisiere Atem und Bewegung. Atme z. B. zwei Schritte ein und zwei Schritte aus. Das schont dein Herz, verbessert die Sauerstoffversorgung und hilft dir, länger durchzuhalten.
  • Inhaliere dein COPD-Medikament zur Dauertherapie (falls nötig) schon 10 bis 20 Minuten vor dem Aufstehen. So bereitest du deine Bronchien gut auf den Tag vor.
  • Lass es morgens beim Aufstehen langsam angehen: Dehne und strecke dich zuerst im Bett, bevor du dich aufsetzt.
  • Kleidung sollte bequem sitzen und Brustkorb, Bauch oder Unterleib nicht einschnüren. Ein langer Schuhlöffel erleichtert das Anziehen der Schuhe. Und ein Hocker im Badezimmer kann eine Erleichterung sein.
  • Höre auf deinen Körper: Jeder Tag ist anders. An manchen Tagen wirst du mehr Energie haben als an anderen. Akzeptiere deine Tagesform und passe deine Aktivität entsprechend an, ohne dich unter Druck zu setzen.
  • EXTRA-TIPP: Singen für die Lunge: Singen – ob alleine oder mit anderen – steigert die Lebensfreude, trägt zu einem besseren Körpergefühl bei und hilft, die Atmung besser zu kontrollieren. Alles gute Gründe, jetzt mit dem Singen anzufangen.

Keine Frage: Krankheiten können uns aus der Bahn werfen. Muss es aber nicht. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen – auch und besonders bei einer chronischen Erkrankung. Wir müssen nur lernen, die Krankheit zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen.

Das Leben ist kein Wunschkonzert. Es bringt nichts, über die Krankheit zu jammern und über das eigene Schicksal zu nörgeln. So verschleißen wir nur wertvolle Energie und lassen uns durch eine Negativspirale nach unten ziehen.

Es ist so, wie es ist. Und es ist nicht einfach, wenn die Erkrankung das Leben im Alltag belastet. Die Nachteile und Einschränkungen müssen auch nicht verdrängt oder überspielt werden. Es lohnt sich aber, ihnen im eigenen Denken und Reden nicht mehr Raum zu geben als nötig.

Jetzt sind Akzeptanz, Anpassung und Mut gefragt. Wir können lernen, die Krankheit nicht als Schreckgespenst zu betrachten, sondern ihren Herausforderungen aktiv zu begegnen. Mehr noch: Wir können lernen glücklich zu sein – auch trotz COPD. Es ist eine Frage der inneren Einstellung.

Kleine handliche Geräte können zum einen die Atemmuskulatur stärken und die Lungenfunktion verbessern, indem sie die Atemwege weiten und die Kraft und Ausdauer der Muskulatur beim Einatmen steigern. Zum anderen dienen sie der Sekretmobilisation und helfen, Schleim zu lösen und zu eliminieren.

Atemtrainer mit 3-Kammer-System

Atemtrainer & Schleimentfernungsgerät

Die blaue „Wunderpfeife“ trainiert nicht nur die Lungenmuskulatur, sondern erhöht auch die Lungenkapazität. Das kleine, handliche Gerät verfügt über 16/18/20-mm-Kugeln mit unterschiedlichem Widerstand, ist kinderleicht zu bedienen und eignet sich hervorragend für das tägliche Training der Lunge.

INSTITUT FÜR PRAKTISCHE LEBENSHILFE (IFPL) BERG