Heute schon gelernt?

Lernen ist ein lebenslanger Prozess. Offensichtlich aber fällt uns das Lernen mit zunehmendem Alter schwerer als in jungen Jahren. Viele behaupten nun, dass sei normal: Schließlich lasse altersbedingt infolge der verminderten Hirndurchblutung automatisch auch das Denkvermögen, die Merkfähigkeit und das Gedächtnis nach. Mag sein. Nur bewiesen ist das bis heute nicht, und auch nicht sehr wahrscheinlich.
Das Nachlassen unserer Lern- und Merkfähigkeit ist nicht abhängig vom Alter, sondern von der zeitlichen Entfernung zu unseren Schul-, Lehr- und Studienzeiten, in denen wir das Lernen systematisch trainiert haben. Der Grund: Mit dem Erreichen der gewünschten schulischen oder beruflichen Abschlüsse haben viele von uns das Lernen endgültig eingestellt.
Lernfähigkeit geht einher mit geistiger Fitness und ist keine Frage des Alters. Nicht nur prominente Persönlichkeiten, auch unzählige andere Menschen, die bis ins hohe Alter aktiv waren und sind, sind Beispiel und Beweis dafür, dass geistige Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit das Produkt eines steten Trainingsprozesses sind.
Zu einer gesunden Lebensweise, die uns bis ins hohe Alter fit halten soll, gehört nicht nur die körperliche Bewegung, sondern ebenso, wenn nicht mehr, die geistige Beweglichkeit. Das ist allerdings mehr als Kreuzworträtselraten, „BILD“-Lesen oder die gewohnte Routinekopfarbeit immer wieder zu verrichten. Es ist auch mehr, als nur einmal notgedrungen alte Gleise verlassen und einen neuen Weg ausprobieren, um dann wieder in den alten Trott zu verfallen.
Es bedeutet schlicht und ergreifend, alle paar Jahre etwas völlig Neues zu lernen. Wirklich erlernen – von Grund auf – mit Auswendiglernen, Erfolgskontrolle und Nutzanwendung, so wie wir es in der Schule, in der Lehre oder im Studium gemacht haben. Nur wenn wir diese Fähigkeit ständig immer und immer wieder trainieren, bleibt sie uns auch im Alter erhalten.
Damit das Gedächtnis fit bleibt, ist es sinnvoll, einfache Übungen in den Alltag einzubauen. Das regt die grauen Zellen an und verbessert die kognitive Leistungsfähigkeit. Die Vorteile: Schneller und besser denken, weniger Vergesslichkeit, komplexere Zusammenhänge erkennen. Und ganz nebenbei kann Gedächtnistraining auch noch Spaß machen.
Öfter mal was Neues
Unser Gehirn braucht ständig neue Reize, um wach zu werden und zubleiben. Dazu kann das Lösen von Rätseln ebenso beitragen wie eine Spielrunde. Wir können aber nicht nur dauernd Kreuzworträtsel lösen oder Monopoly spielen. Müssen wir auch nicht. Im Gegenteil: Wenn wir immer nur dasselbe machen, verabschiedet sich unser Gehirn ganz schnell wieder in einen Dornröschenschlaf.
Unser Gehirn liebt das Neue und es liebt auch Überraschungen. Alles was anders ist als das Gewohnte, setzt neue Reize und zwingt das Gehirn zu neuen Denkmustern. Generell hilft jede Art von Tätigkeit, die nicht routinemäßig ausgeführt wird, Geist und Hirn wach zu halten. Der einfachste Weg, um die grauen Zellen auf Trab zu bringen heißt ganz einfach: Öfter mal was Neues!
Einfach etwas anders machen
Erledige alltägliche Dinge anders als sonst. Denn für das Gedächtnis ist es wichtig, nicht immer dasselbe zu tun. Verwirre dein Gedächtnis und es läuft auf Hochtouren!

- Nimm hin und wieder die andere Hand (rechts statt links oder umgekehrt) zum Zähneputzen.
- Nimm einen anderen Weg zur Arbeit und lies die Zeitung von hinten nach vorne.
- Stell die Möbel um oder wechsele einfach nur deinen Platz am Esstisch.
- Schreib mal einen Satz spiegelverkehrt.
- Versuche einen Tag lang, ein ganz bestimmtes Wort, das du normalerweise häufig verwendest (z.B. „schlecht“ oder „aber“) bewusst zu vermeiden.
Ideen für die Freizeit





Im Übrigen sorgen verschiedenen sinnvolle Aktivitäten für geistige und körperliche Gesundheit bis ins hohe Alter. So ist zum Beispiel Gartenarbeit nicht nur eine sinnvolle Arbeit, sondern sie hält auch gleichzeitig körperlich fit. Ein weiterer Vorteil: Gartenarbeit findet an der frischen Luft statt!
Malen und Zeichnen eignet sich auch für ältere Semester. Wir sind nie zu alt, um uns mithilfe von Farben und Formen auszudrücken. Malen ist eine kreative Beschäftigung , welche die Feinmotorik erhält und die Fantasie beflügelt.
Auch Handarbeiten erfordern eine Portion an geistiger Fitness und an Feinmotorik. Egal, ob es sich um das Nähen von Kissenbezügen, das Basteln mit unterschiedlichen Materialen oder das Stricken von Socken handelt. Das gleiche gilt auch für den Umgang mit dem Smartphone.
Ein Instrument lernen kannst du auch noch im Alter. Es muss ja nicht ein Saxophon sein. Eine Gitarre klingt schnell auch mit wenigen Akkorden schön. Zudem ist Musik eine tolle Massage fürs Gehirn und erregt ähnlich wie Sex das Gehirn.
INSTITUT FÜR PRAKTISCHE LEBENSHILFE (IFPL) BERG
