Der Weg zu mehr Gelassenheit

Gelassenheit ist eine Kunst, die nicht viele von uns beherrschen. Wer bleibt schon ruhig, wenn er zum Beispiel mit plärrenden Kindern auf dem Rücksitz stundenlang im Stau steht? Wer nimmt es mit einem Lächeln hin, wenn die Bahn mal wieder Verspätung hat? Wer von uns steht in der Hektik des Alltags immer über den Dingen?

Gewiss wäre sicher jeder von uns gerne etwas gelassener. Aber wir können nicht einfach einen Hebel umlegen, und schon sind wir ruhig und ausgeglichen. Wir müssen Gelassenheit lernen. Wie? Indem wir lernen, mit Ärgernissen und Belastungen im Alltag so umzugehen, so dass sie uns nicht aus dem Gleichgewicht bringen.

Der Schlüssel zur Gelassenheit liegt in unserer Grundeinstellung zum Leben, zu anderen und uns selbst. Gelassen sein beginnt im Kopf. Wenn dort Ruhe und Ordnung herrscht, können wir auch und vor allem in schwierigen Situationen eine souveräne Haltung bewahren. Wir können entspannt, die Klippen des täglichen Lebens umschiffen. Um gelassener zu werden, muss jeder für sich seine eigene Technik entwickeln. Die Kinder oder das Bahnpersonal anbrüllen, fluchen oder ausflippen gehört jedenfalls nicht dazu. Schon eher der Versuch, auch inschwierigen Situationen den Überblick zu bewahren und sichangemessen zu verhalten, damit wir uns nicht selber schaden.

Vier einfache Schritte zur inneren Ruhe

So wie wir unsere Grundeinstellung ändern, können wir auch lernen, Gelassenheit in unser Leben zu bringen. Nicht von heute auf morgen, aber Tag für Tag und Schritt für Schritt ein bisschen mehr.

Schritt 1: Den Auslöser finden

Statt uns über Gott und die Welt aufzuregen, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns vielleicht vorstellen, müssen wir versuchen zuerst einmal herauszufinden, wer oder was uns belastet. Sind es familiäre Probleme? Sind es Überforderung und Überlastung im Job? Sind es private Ängste und Sorgen? Sind es peinliche und unangenehme Situationen? Sind es „böse“ Mitmenschen? Oder sind wir es selbst, die sich durch Ungeduld, Stress oder Hektik unter Druck setzen?

Schritt 2: Das Unabänderliche akzeptieren

Es gibt Dinge, auf die wir keinen Einfluss haben –zumindest nicht auf die Sache selbst. Dazu gehören zum Beispiel das Wetter oder die Ziehung der Lottozahlen, aber auch der Verlust des Arbeitsplatzes oder die Trennung vom Partner. Solche Ereignisse geschehen nun einmal und sind nicht mehr zu ändern. Wir müssen sie akzeptieren und lernen, damit umzugehen, ohne uns selbst zu schaden.

Schritt 3: Eigene Grenzen akzeptieren

Gehörst du zu den Menschen, die frustriert oder gereizt reagieren,wenn einmal etwas nicht so klappt, wie sie es sich vorstellen? Dann trenne dich von der Vorstellung, dass alles nach deinen Wünschen laufen muss. Die Welt geht ihren eigenen Gang – ob es dir gefällt oder nicht. Akzeptiere deine eigenen Grenzen und suche nach alternativen Lösungen, statt dich in eine Sache hineinzusteigern und etwas auf Biegen und Brechen erzwingen zu wollen.

Schritt 4: Auf Distanz gehen

Es gibt viele Dinge, die uns vielleicht stören, unzufrieden oder unglücklich machen, die aber bei einer genaueren Betrachtung änderbar wären. Was jeder von uns in jedem Fall ändern kann, sind die persönliche Einstellung und Reaktion auf diese Dinge. Statt reflexartig etwas zu unternehmen und impulsiv zu agieren, sollten wir erst die Lage der Dinge nüchtern betrachten und beurteilen. Erst einmal auf Distanz gehen, uns die Sache von dort ansehen und durch den Kopf gehen lassen, ist das beste Mittel, um nicht in Gefahr zu laufen, voreilig bis panikartig zu reagieren. Mit dem nötigen Abstand gewinnen wir Zeit, um in Ruhe eine Entscheidung treffen zu können.

INSTITUT FÜR PRAKTISCHE LEBENSHILFE (IFPL) BERG