Viele von uns verbringen ihre Tage und Nächte alleine. Die einen fühlen sich wohl dabei, andere kommen mit dem Alleinsein halbwegs klar, viele leiden darunter und werden krank. Einsamkeit und Alleinsein – das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Alleinsein ist ein Zustand. Einsamkeit ist eine Stimmung – ein Gefühl, das meist wieder schnell verfliegt. Aber es kann auch bleiben und sich in uns festsetzen. Dann leiden wir richtig – mit verheerenden Folgen für Leib und Seele.

Muss das sein? Nein! Egal, weshalb wir auch immer alleine oder einsam sind oder uns fühlen, wir können der Einsamkeit und Isolation vorbeugen. Und wir können auch lernen, uns aus dem Gefängnis der Einsamkeit zu befreien, bevor wir darin verkümmern und daran zerbrechen. Wir müssen es nur wollen.

Einsamkeit ist eine Gefängniszelle, die sich nur von innen öffnen lässt.“

Der Weg in die Einsamkeit

Kein Mensch ist von Natur aus einsam. Und doch ist Einsamkeit weit verbreitet und für sehr viele Menschen ein sehr großes Problem. Woher kommt diese Einsamkeit? Seelische oder körperliche Erkrankungen können genauso zur Einsamkeit führen wie plötzliche Schicksalsschläge. Die Ursachen liegen aber zum großen Teil tiefer und meist im sozialpsychologischen Bereich. Wir machen uns selbst einsam, indem wir alle sozialen Kontakte abbrechen oder nicht mehr pflegen. Wir isolieren uns selbst – nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt.

Es fängt mit einem momentanen Gefühl der Einsamkeit oder auch Hilflosigkeit an – zum Beispiel nach einem Umzug, dem Verlust des Jobs oder eines lieben Menschen. Trauer, Resignation und Selbstmitleid leiten einen Rückzug ein, in dessen Folge wir den Kontakt zu unserer Umgebung verlieren oder abbrechen. Während wir uns – oft unbewusst – Schritt für Schritt zurückziehen, wird die Einsamkeit Zug um Zug unser ständiger Begleiter. An die Stelle von Lachen und Freude, Spaß und Unterhaltung treten Angst, Scham und Schuldgefühle, Eifersucht, Neid auf andere und Wut über uns selbst. Grund genug, um uns noch weiter zurückzuziehen.

Den Menschen in unserer Umgebung fällt es immer schwerer, mit uns etwas anzufangen. Und da wir inzwischen mit uns selbst nichts mehr anfangen können, weil wir schon längst auch das Vertrauen in uns, an unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten verloren haben, ziehen wir uns jetzt ganz zurück – in einen Raum, in dem es nichts mehr gibt außer Resignation und Leere.

Raus aus der Einsamkeit

So gut wie jeder von uns kennt das Gefühl der Einsamkeit. Aber niemand ist ihm ausgeliefert. Jeder kann aktiv dagegen angehen. Wie? Hier ein paar einfache Wege, mit denen du deine Einsamkeit überwinden, der Isolation entkommen und das zeitweilige Alleinsein für dich nutzen kannst:

Werde aktiv!

Wer mit Nichtstun oder mit wenigen und zudem noch eintönigen Dingen die Zeit totschlägt, kommt sich bald nutzlos vor. Die Folge sind Frust und Langeweile. Langeweile und Einsamkeit gehen nicht nur gerne Hand in Hand, sie sind fast immer Eins. Wer seinen Tag so abwechslungsreich wie möglich gestaltet, beugt der Langeweile vor. Er hat eher das Gefühl, dass sich der Zeiger der Uhr viel zu schnell dreht, der Tag viel zu schnell vergeht. Wer aktiv ist, hat keine Zeit für Langeweile – und auch nicht für Einsamkeit.

Öffne Dich!

Einsamkeit ist kein Makel und nichts, wofür wir uns schämen müssen. Aber sie entsteht häufig dadurch, dass wir nicht offen und ehrlich sagen, was wir denken und wie wir uns fühlen. Warum? Ganz einfach, weil sie sich nicht trauen, über ihre Gefühle zu sprechen. Wenn wir nicht ehrlich zu uns selbst sind und uns nach außen nicht so darstellen, wie wir wirklich sind, schaden wir uns selbst. Und wenn die Menschen in unserer Umgebung ebenso verfahren, können wir Stunden und Tage miteinander verbringen, sogar Jahre zusammenleben, ohne uns wirklich näher zu kommen. Wenn du ehrlich bist und über deine Einsamkeit sprichst, wirst du sehen, dass auch die andere sich plötzlich trauen, offen über ihre Einsamkeit zu sprechen. Mehr noch: Du wirst merken, wie dein Gefühl der Einsamkeit sich in Luft auflöst.

Gehe auf andere zu!

Um der Isolation zu entgehen, müssen wir jede Gelegenheit nutzen. Das ist für viele von uns gar nicht so einfach. Schon gar nicht, wenn es uns schwerfällt, auf andere zuzugehen. Das müssen wir aber, wenn wir uns einem Menschen nähern wollen. Wie sonst soll er uns kennen lernen? Wir müssen einfach lernen, uns wieder zu öffnen. Das fällt uns leichter, wenn wir die Kunst des „Smalltalk „beherrschen. Dabei sind nicht die Themen wichtig, sondern nur die Personen, die miteinander sprechen. Auch mit der Verkäuferin in der Bäckerei um die Ecke lässt sich über das Wetter, das Fernsehprogramm oder die Nachrichten von heute reden. Häufig entsteht dadurch sogar ein persönlicheres Gespräch. Und wenn du dabei den anderen Menschen interessiert zuhörst und auch ein wenig über dich erzählst, wirst du bald merken, dass es auch in deiner Umgebung viele nette Menschen gibt.

Finde Freunde!

Freundschaften sind eine Quelle, aus der wir Freude und Energie schöpfen können. Aber gute Freunde gibt es nicht an jeder Straßenecke. Sie sind schwer zu finden. Was also können wir tun?Pflege bewusst Deine alten Freundschaften! Entdecke die Freunde wieder, die du schon hast. Wenn du neue Freunde gewinnen möchtest, gehe unter Menschen. Besuche ein Café oder eine Eisdiele, mach einen Spaziergang durch den Park oder einen Schaufensterbummel. Oder sieh dich einfach dort um, wo du eh normalerweise bist: in der Nachbarschaft, auf dem Wochenmarkt, auf dem Sportplatz oder in der Sauna.

Kochst Du oder tanzt du gerne? Dann besuche einen Kochkurs oder eine Tanzschule? Interessierst du dich für Kunst? Dann geh in Museen und Galerien. Reist du gerne? Dann mach eine Busreise oder mit der Bahn eine Städtetour. Treibst du gerne Sport? Dann schließe dich einer Jogging- oder einer Gymnastikgruppe an. Kurzum: Tue einfach, was dir Spaß macht! Anlässe und Treffpunkte, bei denen Menschen triffst, die deine Interessen und Hobbys teilen, sind nach wie vor die besten „Kontaktbörsen“. Du wirst Gleichgesinnte treffen, aus denen Freunde werden können. Alles beginnt mit dem ersten Schritt!

Übernimm eine Aufgabe!

Sieh Dich gezielt nach einer Tätigkeit oder Aufgabe um, die du nicht nur ausführen kannst, sondern die dich selbst auch ausfüllt. Es kann ein Hobby oder ein interessanter Freizeitjob sein, der Besuch der Volkshochschule oder Uni (sei es als Gasthörer, Student oder Dozent), die Betreuung eines Menschen in deiner Umgebung oder ein Ehrenamt in Gemeinde oder Verein. Mit neuen Aufgaben schaffst du neue Kontakte und Freundschaften. Eine soziale Betätigung löst zusätzlich ein Gefühl des Gebrauchtwerdens aus, welches das Alleinsein schnell vergessen oder erst gar nicht aufkommen lässt. Die beste Medizin gegen Einsamkeit.

Sorge für Dich!

Akzeptiere das Alleinsein! Das fällt Dir leichter, wenn Du Dir Dein persönliches Bild von „Zweisamkeit“ als Vorbild für Deine „Einsamkeit“ nimmst. Finde einfach heraus, was Du vermisst und vielleicht gerne von anderen hättest: Was erwarte und wünsche ich mir genau, wenn ich mich nach Gesellschaft oder einem Partner sehne? Ist es Aufmerksamkeit und Wertschätzung? Anregung und Zuwendung? Lebendigkeit und Bestätigung? Zärtlichkeit und Zuneigung? Liebe und Sex? Gib es Dir selbst! Werde selbst Dein bester Freund und Partner. Ein Mensch, der sich selbst nahe und zugleich aufgeschlossen für seine Umgebung ist und mit dem es Spaß macht zusammenzuleben. Sorge für Dich selbst!

Merke: Du bist der einzige Mensch, mit dem du zusammenleben musst – egal, was auch immer sein mag und passiert. Was liegt näher als zu versuchen, mit diesem Menschen klar zu kommen? Was kann besser sein, als für diesen Menschen gut zu sorgen?


Unser eBook-Tipp:

Sieben Schritte aus dem Gefängnis der Einsamkeit

Es soll Menschen geben, die gerne alleine sind. Die meisten sind es eher nicht. So gut wie jeder von uns kennt das Gefühl der Einsamkeit. Aber niemand ist dem Alleinsein oder der Einsamkeit ausgeliefert. Jeder kann aktiv dagegen angehen. Dieser kleine Ratgeber zeigt, wie jeder sich selbst aus dem Gefängnis der Einsamkeit befreien kann. Dazu gibt nützliche Tipps und praktische Anleitungen für die Zeit des Alleinseins.


INSTITUT FÜR PRAKTISCHE LEBENSHILFE (IFPL) BERG